Wie ich zu Yoga fand

Ich habe nie viel Yoga gemacht, als ich in meinen Zwanzigern war. Ich habe es ein paar Mal versucht, aber nie richtig weitergemacht. Es fühlte sich gut an, aber am Ende war ich wohl noch nicht wirklich bereit dafür. Vielleicht war es nicht das, was ich gesucht hatte oder ich hatte nicht den richtigen Lehrer gehabt.

In meinen Dreißigern habe ich es erneut versucht und ein wenig mehr Yoga gemacht, aber bin immer noch nicht dabei geblieben. Ich wusste, es würde mir helfen mein Gleichgewicht zu halten und es würde mir bei bestimmten Dingen in meinem Leben helfen, aber auch zu dem Zeitpunkt war ich noch immer nicht bereit. Ich dachte sogar, Yoga ist vielleicht einfach nichts für mich.

Jetzt in meinen Vierzigern sehe ich die Dinge anders. Nach meinem Burn-out mit 42 änderte sich meine Sichtweise auf die Dinge, auf meine Arbeit, meine Art zu leben, Essen, Gesundheit und vieles mehr. Es begann ein Wandel, um mich herum und in mir.

Die Arbeit war bisher mein Leben. Ich liebte meinen Job als Community-Manager für ein Kinder-Forum und steckte meine ganze Energie hinein, hatte sogar zweimal einen Tinnitus, aber das hat mich nicht aufhorchen lassen. Ich war auch nicht gerade der gesündeste Esser oder super sportlich, bis auf das tägliche Gassi gehen mit meinem Hund. Sozialleben ... Was für ein Sozialleben? Ich traf selten meine Freunde, zum Glück habe ich sie immer noch und sie sehen etwas in mir, dass sie dableiben lässt, auch wenn wir uns nicht oft sehen. Das trifft sicherlich nicht auf viele zu.

Nach meinem Burn-out hat sich alles verändert. Ich war erschöpft, hatte keine Energie, schlief wenig und fühlte mich ziemlich deprimiert, als wenn man in einem dunklen Loch sitzt und nicht wieder herauskommt. Stück für Stück begann ich mich aus dem Loch zu befreien, indem ich meinen Job änderte, mich gesünder ernährte und zu Yoga und Meditation fand.

Ich fing mit Online-Kursen an, 30 min hier und 45 min dort und fand Gefallen daran. Es wurde zu einer Gewohnheit fast jeden Tag zu üben. Ich übte, wenn ich freie 5 min auf der Arbeit hatte oder in der Pause sowie abends. Das regelmäßige Praktizieren half mir sehr und ich wurde sensibler im Umgang mit mir und meiner Umwelt. Ich wurde achtsamer.

Nach etwa einem Jahr entwickelte sich der Gedanke mich zum Yogalehrer ausbilden zu lassen. Ich wollte, mit dem, was mir half auch anderen helfen und auch ein 2. Standbein zum normalen Job haben. Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt.

Natürlich bin ich nicht mehr die Jüngste, um als Yogalehrer anzufangen und auch nicht so flexibel wie andere in ihren Zwanzigern, aber ich dachte, wenn sie es können, kann ich es auch. Es geht beim Yoga ja auch nicht darum, dass man einen Fuß hinter das Ohr klemmen kann. Es geht um so viel mehr.

Nach einigen Recherchen fand ich eine Yoga-Schule, die mir gefiel und bei der ich das Gefühl hatte gut aufgehoben zu sein, das Unit Yoga in Hamburg. Die 200 hrs Ausbildung sollte dann im Mai 2015 beginnen.

Im Januar zerrte ich mir eine Sehne im Oberschenkel beim Yin Yoga. Wobei es doch immer so schön heißt, lass dein Ego draußen und höre auf deinen Körper. Gehe nur so weit in die Position, wie es sich für dich gut anfühlt. Tja, mein Ego war da anderer Meinung und ich ging tiefer in die Asana, als mir guttat. Ich spürte ein Brennen in meinem rechten Bein und konnte für die nächsten Monate kein Yoga mehr machen.

Das war es dann wohl. Ausbildung ade. Ich fing schon an, mich innerlich davon zu verabschieden, jedenfalls für 2015.

Zum Glück sagte mir die Schule, das ich trotz allem an dem Training teilnehmen kann, das meiste davon ist Theorie, und wenn es zur Praxis kommt, mache ich einfach langsam mit, so weit, wie ich kann. Ich war super happy.

Jetzt nach einem Jahr ist mein Bein schon viel besser und ich kann Yoga wie gewohnt praktizieren. Ich bin nun mit meiner Yogalehrer-Ausbildung fertig und kann nicht glauben, wie schnell die Zeit verging. Das Training hat mir viele großartige Dinge gezeigt und gelehrt. Ich habe nie gewusst bzw. auch nur geahnt, wie riesig und endlos die Yoga-Welt tatsächlich ist. Es gibt so viel mehr, so viele verschiedene Stile, Tausende von Asanas, Klassenkonzepte etc.

Ich liebe es, diese wunderbare Welt zu erkunden und ein Teil davon zu sein. Die Ausbildung hat mich gefordert und ich bin in einigen Bereichen an meine Grenzen gekommen und habe diese sogar überschritten. Ich habe viel über mich gelernt.

Nun habe ich mit der 300 hrs Yogalehrer-Ausbildung angefangen, mit Spezialisierung auf Yin Yoga (wie sollte es anders sein), Yoga 50+ und Meditation, und werde in der Zukunft noch einige andere Workshops besuchen. Ich liebe es einfach so viel tiefer in diese Welt vorzudringen und meine Yogapraxis zu vertiefen.

Ich habe immer noch meinen normalen Job als Social Media Specialist, den ich sehr mag (ich arbeite von zu Hause, was vieles einfacher macht) und nicht aufgeben will, auch wenn ich als Yogalehrer arbeiten werde. Beides lässt sich gut miteinander verbinden und ich kann jeweils etwas von dem einen Job in dem anderen nutzen. Es hält alles in einem guten Gleichgewicht.